Rechtsextremismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und keinesfalls nur ein Jugendphänomen im Osten der Republik. In der Vergangenheit haben wir immer wieder Kommunen und Institutionen beraten.

Im Jahr 2009 haben wir eine großangelegte Regionalstudie im Schwalm-Eder-Kreis durchgeführt. Hier dokumentieren wir unsere beispielhafte Arbeit im Schwalm-Eder-Kreis und würden uns freuen weitere Kommunen auf ihrem Weg zu einer starken und lebendigen demokratischen Kultur zu begleiten.

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Bericht in der HNA vom 06.11.2009:

Studie über rechtsextreme Einstellungen und Strukturen im Schwalm-Eder-Kreis

Rechte gehören zum Alltag

Schwalm-Eder. Gedankengut aus dem rechten politischen Spektrum gehört in zahlreichen Dörfern im Schwalm-Eder-Kreis zum Alltag. Das ist ein Ergebnis der Regionalanalyse mit dem Titel „Das ist vielen gar nicht bewusst“, die am Mittwoch in Homberg vorgestellt wurde. Die Gründe dafür sind vielfältig: Defizite im Alltagsleben vor allem in den Dörfern und ein hohes Maß an Rassismus und Antisemitismus in Teilen der Kreisbewohner, heißt es in der Studie.

Zwischen November vergangenen und Juni diesen Jahres interviewten Mitglieder des Mobilen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus in Hessen im Auftrag des Schwalm-Eder-Kreises 90 Personen in 21 Städten und Gemeinden im Kreis. Ziel war, Gründe und Tendenzen des Rechtsextremismus herauszufinden. Ein zentrales Ergebnis: Jugendliche klagten in Dörfern über ein mangelndes kulturelles Angebot. Doch Möglichkeiten in Städten seien wegen der schlechten Verkehrsanbindung nicht zu nutzen. Nach Darstellung der Autoren der Studie stießen rechte Gruppierungen in dieses Vakuum und böten Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung an.

Ein weiteres Ergebnis der Erhebung: Rechte Tendenzen würden durch eine weit verbreitete strukturkonservative Haltung gefördert. Auffallend dabei ist die Meinungsführeschaft, die von alteingesessenen Familien übernommen werde. Zum Teil gezielt würden sich Rechte bei Kirmessen engagieren. Die Folge: Auf manchen Kirmessen sei eine derart aggressive rechte Stimmung, dass viele Leute aus Angst vor Übergriffen nicht mehr hingingen.

Aus den Befragungen ziehen die Autoren den Schluss, dass Rechtsextremismus ein Teil der Alltagskultur ist. Dennoch: Von einer gezielten Unterwanderung der Vereine könne nicht die Rede sein, auch wenn Rechte in Feuerwehren und Sportvereinen integriert seien.

Doch bei der Beschreibung wollten die Autoren nicht stehen bleiben. Vielmehr versuchten sie Handlungsvorschläge zu unterbreiten: Unter anderem sollte man sich mit Jugendlichen auseinandersetzen, bei denen die Gefahr besteht, in die rechtsextreme Szene abzurutschen. Dabei komme der Jugendarbeit große Bedeutung zu. Der Rat: In jeder Gemeinde sollte es eine Jugendpflege geben. Denn die Analyse lege einen Zusammenhang zwischen rechten Erscheinungen und Gemeinden ohne Jugendpflege nahe.

Von Rainer Schmitt