Das MBT Hessen gründete sich im Jahr 2003 als erstes Mobiles Beratungsteam in Westdeutschland. Auch andere Organisationen wie etwa die ARUG leistete vergleichbare Arbeit, allerdings dauerte es bis zum Jahr 2007, bis es Förderung aus Bundesmitteln für dieses Konzept auch im Westen der Republik gab. Das MBT Hessen leistete diese Arbeit von Anfang an auf Honorarbasis bzw. ehrenamtlich. Von Anfang an bezog sich das MBT Hessen auf Qualitätsstandards, die von ostdeutschen MBT entwickelt worden waren und wir suchten immer den Austausch mit unseren KollegInnen in Ostdeutschland.
 
Qualitätsstandards des beratungsnetzwerks hessen
Seit Gründung des beratungsnetzwerks hessen – mobile Intervention gegen Rechtsextremismus gibt es in Hessen nun finanzielle Mittel, allerdings hat man sich Hessen entschieden, die Beratungsarbeit auf Honorarbasis anzubieten. Die Qualitätsstandards des Beratungsnetzwerks wurden und werden im Rahmen einer KQB-Zertifizierung entwickelt. Sie legen in erster Linie fest, wie im Netzwerk zusammen gearbeitet wird (Gremien, Leitbild, Fortbildungsbedarfe, Struktur usw.) und unter welchen Bedingungen Beratung stattfindet (Vertraulichkeit, Akteur-orientiert usw.). Es gibt regelmäßige Treffen für BeraterInnen, des gesamten Netzwerks, einen „Qualitätszirkel“ und eine jährliche Fachtagung. In den BeraterInnentreffen besteht die Möglichkeit zur kollegialen Intervision, aber in erster Linie wird sich über aktuelle Entwicklungen in Hessen und anstehende Projekte ausgetauscht. Dass Netzwerk bietet eigene Fortbildungen für BeraterInnen an (z.B. modulare Fortbildung zu systemischer Beratung, Öffentlichkeitsarbeit, Recherche). Es besteht ein umfangreiches Berichtswesen von Fallmeldung über Zielvereinbarung, Berichte jedes Arbeitstreffen bis hin zu Evaluationsbögen für Berater und Beratende.
 
Aus unserer Sicht deckt dieses (streng anonymisierte und nicht-öffentliche) Berichtswesen in erster Linie quantitative Aspekte unserer Arbeit ab. In den Auswertungen können so sehr gut Fallzahlen in bestimmten gesellschaftlichen Bereichen (wie viele Fälle in Schulen, Gemeinden usw., wie lange beraten wird usw.)  dargestellt werden, sagen aber wenig über die Qualität mobiler Beratung in Hessen aus. 
 
Zusätzliche Standards des MBT
Deshalb bemüht sich das MBT Hessen, den in unserem Bereich geltenden Fachstandards gerecht zu werden (vgl. das Positionspapier MBT 2.0), allerdings sind diese aufgrund der fallbezogenen Abrechnungsweise(z.B. generelles „Vier-Augen-Prinzip“ oder „angemessene finanzielle Ausstattung“ in Hessen aufgrund der oben erwähnten Erschwernisse) kaum umsetzbar. (Nichtsdestotrotz profitieren wir enorm von der Professionalität und der Erfahrung unserer ostdeutschen KollegInnen. Immer wieder wird kollegiale Fallberatung bei diesen in Anspruch genommen.) Seit Jahren nimmt das MBT Hessen an bundesweiten Treffen auf BeraterInnen-Ebene teil. Wir besprechen alle Fälle teamintern, nutzen Methoden der Bildungsarbeit und machen regelmäßig Supervision.
 
Wir arbeiten prinzipiell nur auf Anfrage, in Einzelfällen bieten wir unsere Beratungstätigkeit potentiellen KlientInnen an.Wir sind niemals Akteur, was bedeuten kann, dass wir zwar problematische Entwicklungen beobachten und thematisieren, aber ohne andere Akteure „im Feld“ werden wir nicht tätig (so schwer das manchmal fallen mag, weil man ja auch Bürger seiner Region ist). 
 
Wir machen keine Opferberatung. Wir vermitteln die Opfer an kompetente rechtliche Beistände. Eine passende, qualifizierte Opferberatung für Opfer rechtsextremer bzw. rassistischer Gewalt ist die Anlaufstelle response in Frankfurt. Das Thema Beratung für Betroffene wurde vom beratungsnetzwerk hessen stets als dringlich angesehen (vgl. eine Publikation des Netzwerks zum Thema Betroffenenperspektive).
 
Wir halten „objektiv messbare“ Kriterien für den Erfolg unserer Arbeit trotz oben erwähnter Praktiken als schwer  definierbar, weil es generell in der sozialen Arbeit mit Menschen, ihren Emotionen und individueller Unterschiede problematisch ist, inwiefern die Arbeit objektiv messbar sein kann. Das bedeutet keineswegs, dass mobile Beratung keine Kriterien hätte oder dass man keine wissenschaftlich begründeten Ansätze und Standards hätte. Wünschenswert wäre aus unserer Sicht ein institutionalisierter Austausch auf BeraterInnen-Ebene, zwischen Wissenschaft und Praxis (sowie projektbezogener Evaluation durch WissenschaftlerInnen.)
 
Wer wir sind und was wir anbieten
 
Das Konzept der Mobilen Beratung ist vor allem die Initiierung und Begleitung lokaler Prozesse gegen rechtsextremistische Strömungen und die Verankerung regionaler Demokratisierungsprozesse sowie die Förderung zivilgesellschaftlichen Engagements. Zielgruppen sind regionale Strukturen wie etwa Verwaltungen, Träger regionaler Jugendarbeit, Vereine und Organisationen jeder Art, Unternehmen und interessierte Einzelpersonen. Dabei werden Probleme nicht für die genannten Zielgruppen gelöst, sondern Konzepte zusammen erarbeitet, um die beteiligten Akteure zu stärken, damit Probleme selbst vor Ort gelöst werden können. Dabei ist ein Verständnis wichtig, bei dem Rechtsextremismus als politisch-gesellschaftliches Problem begriffen wird, dessen Träger keinesfalls nur rechtsextreme (jugendliche) Randgruppen sind. Zivilgesellschaftliche Mobilisierung begreift das MBT Hessen deswegen als andauernden Prozess, der eigenverantwortliches und solidarisches Handeln positiv besetzt. Nur so kann der menschenverachtenden Ideologie der Ungleichheit nachhaltig die Grundlage entzogen werden.
 
Seit dem Jahr 2007, also von Anfang an, ist das MBT Teil des beratungsnetzwerks hessen.  Mit Erstellung einer Regionalstudie des Schwalm-Eder Kreises im Jahr 2009 wurde eine bundesweit beachtete Analyse erstellt. Seither hat das MBT in ganz Nordhessen von runden Tischen in Gemeinden, über zahlreiche Schulen, Jugendpflegen und anderen öffentlichen Einrichtungen bis hin zu Angehörigen von Rechtsextremer zahlreiche Menschen begleitet und unterstützt. Durch über 10-jährige Arbeit ist das MBT zu einem festen Ansprechpartner in Nordhessen geworden. Darüber hinaus befindet sich das MBT im regelmäßigen bundesweiten Austausch mit anderen Mobilen Beratungsteams.